Text für den lachenden Drachen
von Rainer Schmidt

Seit über 40 Jahren wird weltweit  ein Krieg geführt, der  Abermilliarden Euro verschlingt,  Hinrichtungen und Erschießungen mit sich bringt, ganze Staatsgebilde ins Chaos stürzt und Zigmillionen Menschen hinter Gitter gebracht hat : der von US-Präsident Richard Nixon 1971 ausgerufene „Krieg gegen die Drogen“.

 

Ein Krieg, der nicht nur auf Lateinamerikas beschränkt  ist, wo  z.B. allein in Mexiko in den letzten 7 Jahren 70.000 Menschen im “ Drogenkrieg“  umgekommen sind, sondern auch in den USA selbst und in Europa, Deutschland, Hamburg und St. Georg millionenfaches Elend, Verfolgung, Haft und  Tote mit sich gebracht hat.  Wie jeder Krieg kennt er vor allem Verlierer.

Mit weltweit über 400 Mrd. Dollar Umsatz kennt er aber auch Gewinner.  Drogenkartelle, korrupte Politiker, Terrornetzwerke, Militär und Polizei zählen ebenso dazu wie privat geführte Gefängnisse z.B. in den USA, die ohne die Strafverfolgung von Konsumenten und Dealern illegalisierter Drogen um ihre Existenz  fürchten müssten.

Mit den Folgen dieses über 40-jährigen Krieges konfrontiert, wendet sich immer mehr internationale Prominenz  von der Prohibitionspolitik ab. „Der weltweite Krieg gegen die Drogen ist gescheitert, mit verheerenden Folgen für die Menschen und Gesellschaften rund um den Globus…Der Kriminalisierung, Ausgrenzung und Stigmatisierung von Menschen, die Drogen konsumieren, aber anderen keinen Schaden zufügen,( gilt es ) ein Ende zu setzen….( Es gilt )die Verfügbarkeit verschiedener Therapieformen sicher(zu)stellen….Die Abgabe von Spritzen und weitere Maßnahmen zur Schadensminimierung ein(zu)führen“  schreiben z.B. Kofi Annan, Mario Vargas Llosa, Georg P. Shultz, Javier Solana und eine ganze Reihe ehemaliger Präsidenten Lateinamerikanischer Länder in einer gemeinsamen Erklärung (www.globalcommissionfordrugs.org).

Erinnern wir uns an die Anfänge der neunziger Jahre in St. Georg. Unter dem Motto „Was gut ist für die Junkies, ist auch gut für den Stadtteil“ und „Ganz St. Georg ist ein Fixerraum – gebt ihnen wenigstens ein Dach über dem Kopf“  wurden der Politik von Einwohnerverein, Bürgerverein, evangelischer Kirchengemeinde, Bürgerinitiativen und sozialen Einrichtungen die ersten Fixerräume abgetrotzt.  Parallel wurde die Substitution als Therapieform für Heroinkonsumenten propagiert und erfolgreich etabliert. Und es wurde öffentlich über eine flächendeckende, medizinisch begleitete Heroinvergabe und  die Legalisierung diskutiert. Gewinner dieser Zeit waren Drogenkonsumenten und die Einwohner der Szene-Stadtteile wie eben St. Georg. Drogenkonsumenten wurden mit anderen Augen gesehen, die mit der Drogenszene einhergehende Hektik beruhigte sich. Ein Probelauf mit einer „Heroinambulanz“ zeichnete gleiche Erfolge wie die Substitution mit Methadon. Die beachtlichen Erfolge dieser akzeptierenden Drogenpolitik waren möglich, weil das Scheitern der Verbotspolitik für alle auf der Straße sichtbar war und offen diskutiert wurde. Sehr zum Verdruss mancher Konservativer Kräfte in Medien, etablierten Parteien und des Richter Gnadenlos. Ihnen passte die ganze Richtung nicht und sie hatten die Macht, den öffentlichen Diskurs über eine liberalere Drogenpolitik nahezu zu ersticken.  Und das nicht nur in Hamburg. Wenn heute Leute wie der ehemalige Generalsekretär der UNO, Kofi Annan und mit 120 Strafrechtsprofessoren  die Hälfte aller Strafrechtsprofessoren Deutschlands die Themen diskutierent, die in St. Georg vor 20 Jahren Bürger, Initiativen, Einwohnerverein, Bürgerverein, evangelische Kirchengemeinde etc. bewegt haben, spricht das für die damaligen Anstrengungen. Sie werden gewissermaßen nachträglich geadelt. Es ist an der Zeit, dass die Politik den Anschluss wieder findet und sich in die Reihe der Befürworter einer Legalisierung bisher illegaler Drogen einreiht.

RS