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Heroin

Substanz

Heroin (chem. Diacetylmorphin / Diamorphin) gehört zur Gruppe der Opioide und wird aus Rohopium hergestellt, dem eingetrockneten Milchsaft des Schlafmohns.

Die Substanz wurde 1873 zum ersten Mal (halb-)synthetisch hergestellt und ab 1898 in größeren Mengen u. a. als Schmerz- und Hustenmittel von der Firma Bayer auf den Markt gebracht.

In einigen angelsächsischen Ländern wird Heroin noch heute im klinischen Bereich als probates Schmerzmittel eingesetzt. Heroinkonsumenten sind wegen dieser Wirkung relativ Schmerz unempfindlich, was wiederum erklärt, warum sie ihren Körper mit Spritzen etc, malträtieren können.

Heroin wird als cremefarbenes oder bräunliches Pulver auf dem Schwarzmarkt gehandelt und enthält meist Streckmittel sowie Verunreinigungen aus der Herstellung.
In der BRD beträgt der Reinheitsgehalt meist zwischen 3 % und 25 %, sehr selten bis zu 60 %.
Häufig wird Heroin mit einem Gemisch aus Koffein und Paracetamol gestreckt. Gängige wirkungslose Streckstoffe sind Milchpulver, Mannit, und Mehl, Psychoaktive Substanzen wie Valium (Diazepam) und Subutex (Buprenorphin) werden minderwertigem Heroin beigemischt, um dessen Wirkung zu steigern.

Heroin wird geschnupft, geraucht (inhaliert) oder intravenös injiziert (in die Venen gespritzt, i. v.).

Die Spanne zwischen verträglicher bzw. wirksamer und tödlicher Dosis ist sehr gering.

Wirkung

Die Wirkung ist u. a. abhängig von Dosis, Reinheitsgrad, Gewöhnungseffekten, Konsumform sowie von Set (seelische und körperliche Verfassung des Users) und Setting (Rahmenbedingungen des Konsums).

Wirkungseintritt

nach etwa 10 Sekunden bei intravenösem Konsum, geraucht oder gesnieft nach ein paar Minuten

Wirkdauer

ist abhängig von der Dosis und der Qualität des Stoffes sowie der Konsumform und beträgt 2 – 5 h, die Halbwertzeit liegt bei 9 Stunden

Wirkspektrum

Heroin hat eine euphorisierende, ausgleichend-beruhigende und angstlösende Wirkung. Gefühle von Geborgenheit und tiefer Selbstzufriedenheit stellen sich ein, Sorgen treten in der Wahrnehmung zurück, man fühlt sich wie in Watte gepackt.
Der beim intravenösen Konsum eintretende Kick wird von vielen Usern als sehr intensiv erlebt und als absolutes Hochgefühl beschrieben. Beim Rauchen und Sniefen ist der Kick weniger stark ausgeprägt, da hier die Substanz nicht direkt ins Blut übergeht und somit im Gehirn weniger stark bzw. schnell anflutet. Die Wirkung hält jedoch länger an als beim intravenösen Konsum.

Je nach Dosis und Konsumform wirkt Heroin unterschiedlich stark analgetisch (schmerzlindernd) und hustendämpfend.

Außerdem kommt es zu folgenden Wirkungen: Verlangsamung der Atem- und Herzfrequenz, herabgesetzter Stoffwechsel sowie verminderte Darmtätigkeit.
Symptome dafür sind Blutdruckabfall, Pulsverlangsamung, Pupillenverengung, Harnverhaltung (Harnblase kann nicht entleert werden) und Atemnot.

Kurzzeitnebenwirkungen

Verunreinigungen im Heroin können verschiedene Abwehrmechanismen des Körpers hervorrufen – einen so genannten shake: Übelkeit, Erbrechen, Schüttelfrost, Fieber sowie Juckreiz, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit oder Schockzustände, die sofort nach dem Konsum auftreten und mehrere Stunden anhalten können.
Auch Streckmittel können bestimmte (Neben-)Wirkungen hervorrufen.
Vor allem bei unbekannter Qualität: Atemstillstand durch Überdosierung möglich.

Langzeitnebenwirkungen

Bei häufigem Konsum über einen längeren Zeitraum kann es zu Abnahme der Libido (sexuelles Verlangen) und Verstopfung sowie durch die Verunreinigungen im Heroin zu Organschädigungen kommen. Außerdem
nimmt die Wirkintensität kontinuierlich ab – die Dosis muss erhöht werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen (Toleranzentwicklung).

Deswegen kommt es nach Entzügen öfter vor, dass bei einem Rückfall die gewohnt hohe Dosis vom Körper nicht verkraftet wird und eine ( tödliche ) Überdosierung erfolgen kann.

Die Entwicklung einer psychischen und körperlichen Abhängigkeit ist leicht möglich.

Beim Absetzen des Heroins treten Entzugserscheinungen wie starke innere Unruhe, Muskelschmerzen, Schlafstörungen, Delirium, Erbrechen, Durchfall, vorübergehende Bewusstlosigkeit, starke psychische Labilität oder depressive Verstimmungen auf. Die sehr unangenehmen körperlichen Entzugserscheinungen sind vielfach nach ca. 1 Woche überwunden.
Schlafstörungen, die nach dem Entzug mehrere Wochen andauern können, wirken sich ungünstig auf das psychische Befinden aus und verstärken das Verlangen nach Heroin (Craving). Das psychische Verlangen nach der Substanzwirkung kann auch nach längerer Abstinenz (wieder) auftreten.

 

Methadon

Substanz

Methadon ist die international gebräuchliche Bezeichnung für ein vollsynthetisches Opioid mit morphinähnlicher Wirkung, das zwischen 1939 und 1941 in den pharmazeutischen Labors der zum I.G. Farbenkonzern gehörenden Farbwerke Hoechst entwickelt wurde.

Bis Ende der 50iger Jahre gab es nur eine Methadonform, im Jahre 1965 stellte Hoechst die Methadon-Produktion auf L-Polamidon um, welches in etwa doppelt so wirksam ist.

Methadon wird in der Regel oral aufgenommen und meist mit Saft oder Sirup vermischt. Zum einen wegen des bitteren Geschmacks und außerdem um zu verhindern, dass die Lösung gespritzt wird.

Wirkung

Methadon wirkt ähnlich wie andere Opiate, wie Heroin oder auch Codein. Die Wirkung, die Methadon auf die einzelnen Personen hat, kann allerdings sehr unterschiedlich sein und hängt stark vom jeweiligen Stoffwechsel ab. Im Vergleich zu Heroin bekommt man beim trinkbaren Methadon allerdings keinen "Kick" und es dauert länger, bis man die Wirkung merkt.

Nach der Einnahme dauert es ca. 1-2 Stunde bis zum Wirkungseintritt. Nach ungefähr 4 Stunden ist der Wirkungshöhepunkt erreicht und die mittlere Wirkungsdauer liegt bei 25 Stunden (L-Polamidon bei 36 Stunden), weshalb Methadon auch zur Substitution eingesetzt wird. Der Tagesablauf unterliegt nicht mehr dem permanenten Beschaffungsstress wie beim Heroinkonsum sondern wird planbar.

Methadon dient als Substitutionsmittel in erster Linie dazu, die Heroin-Entzugserscheinungen zu unterdrücken und den "Heroinhunger" zu unterbinden. Es hat den Vorteil, dass es momentan im Gegensatz zum Heroin verschreibungsfähig, also legal ist und somit dazu beitragen kann, dass man ein relativ "normales" Leben führen kann.

Kurzzeitnebenwirkungen

Auftreten können: Mattheit, Schlaflosigkeit, trockener Mund, Übelkeit, Magenschmerzen, Erbrechen, Schwitzen, Juckreiz, Harnverhaltung, Verstopfung, Schweregefühl in Armen und Beinen, Konzentrationsschwäche, verlangsamte Atmung, kleine Pupillen, niedriger Blutdruck etc. Zum Teil sind es also ähnliche Nebenwirkungen wie beim Heroin. Wie stark sie sind hängt ganz entscheidend von der individuell abzustimmenden Dosierung ab. Diese Abstimmung erfordert einige Zeit.

Langzeitnebenwirkungen

Eine häufige Nebenwirkung bei Daueranwendung ist exzessives Schwitzen, das nicht mit Entzugserscheinungen verwechselt werden darf. Ein Teil der mit Methadon substituierten Personen leidet langfristig unter Schlaflosigkeit. Außerdem unterdrückt Methadon die sexuelle Energie.

Methadonsubstitution über längere Zeit kann das Risiko von Karies erhöhen. Methadon senkt die Speichelproduktion und der Zucker im beigemischten Sirup fördert ebenfalls Karies.

Methadon begünstigt herzerkrankungen (Kardiotoxisch) L-Polamidon nicht.

Gefahr der psychischen und körperlichen Abhängigkeit (genau wie beim Heroin), wobei im Gegensatz zu Heroin die Entzugserscheinungen beim Absetzen des Methadons sehr viel unangenehmer sind und auch länger andauern.

Benzodiazepine

Substanz

Benzodiazepine = Gruppe psychoaktiver Medikamente, die als Entspannungs- und Beruhigungsmittel (Tranquilizer) oder als Schlafmittel (Hypnotika) von Ärzten verschrieben werden.

Diese Medikamente fanden ursprünglich in der Narkosemedizin Anwendung und werden heute in der Medizin bei Symptomen wie Angst, Depression, Unruhe, Wahn, Halluzinationen oder Schlaflosigkeit verabreicht. Benzodiazepine werden auf dem Schwarzmarkt meist in Form von Tabletten gehandelt, die geschluckt, gesnieft und gespritzt werden können.

Bekannteste Vertreter sind Rohypnol® (Flunitrazepam) und Valium®/ Faustan® (Diazepam).

Wirkung

Wirkungseintritt hängt von der Art der Einnahme ab:
Oral nach ca. 15 min, nasal nach ca. 5 min, intravenös nach 0,5 min. Dauer und Intensität der Wirkung ist je nach Medikament und Dosis unterschiedlich, von 1,5 bis zu 48 Stunden.

Benzodiazepine können erregungs- und angstmindernd, einschläfernd, muskelentspannend, antiepileptisch und mitunter antidepressiv wirken. Besonders in hohen Dosen kommt es zu erheblicher Beruhigung und Schläfrigkeit. Bei Langzeitgebrauch ist jedoch eine Umkehrung der Wirkung möglich.

Kurzzeitnebenwirkungen

Es können auftreten:
Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, starke Einschränkung der Reaktionsfähigkeit, Sekundenschlaf, Reflexdämpfung, eingeschränkte räumliche Koordination, Störungen in der Bewegungssteuerung, Benommenheit, Mattigkeit, Kopfschmerzen, Oberbauchbeschwerden, Verstopfung, Durchfall, Schwierigkeiten beim Wasserlassen.

Langzeitnebenwirkungen

Plötzliches Absetzen der Benzodiazepine nach längerem Gebrauch führt zu einer "Rebound"-Reaktion, d.h. zu Beschwerden, gegen die Benzodiazepine - regelhaft von Ärzten verschrieben - eigentlich verwendet werden. Ruhelosigkeit und Schlafstörungen treten verstärkt auf (physische Abhängigkeit). Es besteht auch die Gefahr, die Substanz zwanghaft zu konsumieren, um negativ empfundene Befindlichkeitsänderungen zu dämpfen (psychische Abhängigkeit).

Des Weiteren können bei längerem, regelmäßigem Konsum folgende Symptome auftreten:
Bewegungs- und Gangunsicherheit (Torkeln), Muskelschwäche, Schwindelgefühle, Verwirrtheit, akute Erregungszustände, Wutanfälle, Sehstörungen, Doppelbilder, Erinnerungslücken, gesteigerte Aggressivität, Depressionen, Halluzinationen.

Und bei Entzug: Schlaflosigkeit, Angstzustände, innere Unruhe, Erbrechen, Zittern, Schwitzen, Muskelzuckungen, Krampfanfälle und Psychosen.

Wechselwirkungen

Gefahr der gegenseitigen Wirkungsverstärkung bei Mischkonsum von Benzodiazepinen mit Schlafmitteln und/oder von Benzodiazepinen mit anderen Substanzen, wie Heroin, Methadon/ Polamidon und Alkohol.

 

Crack

Substanz

Crack und Freebase sind rauchbare Formen von Kokain. Sie werden in einer Pfeife (Metall/Glas) oder alternativ von einer Alufolie geraucht.

Freebase wird hergestellt, indem aus dem Straßen-Kokain mittels eines organischen Lösungsmittels (wie Amoniak bzw Natriumbicarbonat und Wasser) Verschmutzungen und Streckmittel herausgewaschen werden.
Es wird anschließend noch mal mit Wasser gereinigt, direkt auf dem Löffel getrocknet und dann geraucht.

Crack enthält noch alle Verunreinigungen und Streckmittel des Grundstoffes.
Es ist möglich, Crack für den intravenösen Gebrauch aufzubereiten; dazu wird es mit Ascorbinsäure versetzt normalerweise wird es allerdings geraucht.

Crack und Freebase zerfallen schnell an der Luft, wobei Freebase noch um einiges empfindlicher ist, weshalb es kaum gehandelt wird. Da auch Crack keine lange Haltbarkeit besitzt und ziemlich schnell nach der Herstellung verkauft werden muss, ist der Schwarzmarkt eher in Metropolen ausgeprägt, da dort bessere Möglichkeiten bestehen, die Substanz gleich nach der Herstellung an einen großen KundInnenkreis zu verkaufen. Dies führt leicht zu „aufgeregten“ Szenebildungen, die ihre Aggressionen meist nach Innen ausleben.

Wirkung

Crack und Freebase erzeugen einen sehr kurzen, aber intensiven Rausch (‘Flash’). Die Wirkung setzt im Gegensatz zum "Sniefen" von Kokain innerhalb von Sekunden ein, da der Wirkstoff in der Lunge sehr rasch aufgenommen wird und - ähnlich wie beim Spritzen - sofort zu den Nervenzellen des Gehirns gelangt. Der Rausch hält bei Crack ca. 5-10 min, bei Freebase etwa 2-4 min. an und endet mit einem abrupten "Runterkommen".

Crack und Freebase haben eine stimmungsaufhellende, euphorisierende Wirkung. Ein Gefühl erhöhter Energie, gesteigerter Aufmerksamkeit, Wachheit und Leistungsfähigkeit tritt auf.

Negative Rauscherlebnisse können unkontrolliertes Zucken und/oder Zittern, Schwächegefühl, Müdigkeit, Paranoia, Einsamkeitsgefühl und ein bedrohlich wirkendes Umfeld sein.

Kurzzeitnebenwirkungen

Blutdruckerhöhung, Verengung der Blutgefäße (Infarkt-Gefahr), Dehydrierung (Wasserverlust), Betäubung der Schleimhäute, Anstieg der Körpertemperatur, Pupillenerweiterung.
Appetit und Müdigkeit werden unterdrückt.
Angstgefühle, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Reizbarkeit können nach Abklingen des Rausches auftreten.

Überdosierung kann zu Atem- oder Herzstillstand und zum Tode führen!

Schon nach kurzer Zeit des Gebrauches kann der natürliche Stoffwechsel des Gehirns (Dopaminproduktion) geschädigt werden - ob für lange Zeit oder irreversibel, ist umstritten.

Nach der Inhalation kann es durch die Ablagerung von Verbrennungsrückständen (Aschereste) zu blutigem Auswurf und Wasserbildung in der Lunge kommen. Es besteht das Risiko einer chronischen Bronchitis oder Lungenentzündung.

Beim Injizieren von Kokain-Hydroascorbat besteht die Gefahr einer Überdosierung oder Blutvergiftung ("Shake"). Wenn unreine Ascorbinsäure und unabgekochtes, unsauberes Wasser verwendet werden, können Viren und Bakterien besonders leicht übertragen werden. Beim Teilen des Spritzbesteckes mit anderen Usern besteht ein großes Risiko, sich mit Hepatitis B, C bzw. HIV zu infizieren.

Da Kokain die Einspritzstelle betäubt ( wegen seiner guten örtlichen Betäubungswirkung wird Kokain ärztlich oft bei Augenoperationen verwendet ), wird ein versehentlicher Druck in Fettgewebe oder Muskeln oft nicht bemerkt, wodurch sich besonders leicht Abszesse bilden können.

Langzeitnebenwirkungen

Bei längerem und regelmäßigem Konsum können auftreten: Unterernährung, schlechter Zustand der Zähne durch Kalziumentzug, Durchblutungsstörungen durch poröse/verengte Gefäße, Leberschäden und Hirnschäden, chronische Schmerzen im Mundbereich, eine ständig geschwollene Zunge, Schädigungen der Lunge, der Atemwege und des Herzens.

Psychotische Erkrankungen und motorische Störungen können ausgelöst werden.

Beim Absetzen nach längerem Konsum werden Reaktionen wie starke innere Unruhe, Depression, Angst, Verlust von Lebensfreude, Schlaflosigkeit, Schwindel und Suizidwünsche beobachtet, welche mehrere Wochen oder Monate anhalten können.

Der Konsum kann zwanghaft und unwiderstehlich werden – es besteht das Risiko einer psychischen Abhängigkeit.

Der schnelle Wechsel von Einsetzen und Nachlassen der Wirkung bei mehrmaligem Konsum birgt ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Der Drang, die Droge wiederholt zu konsumieren, ist groß, da die Folge von kurzem, euphorisierendem Rausch und anschließendem depressiven Come Down als unangenehm empfunden wird.

Buprenorphin – Subutex

Substanz

Unter dem Warenzeichen Subutex ist Buprenorphin seit Februar

2000 in Deutschland zugelassen. Die zugelassene Indikation

lautet: Substitutionstherapie von Erwachsenen über 18

Jahren bei Opioidabhängigkeit im Rahmen medizinischer, sozialer

und psychotherapeutischer Maßnahmen.

In Frankreich besteht die Zulassung von Subutex seit 1996. Dort werden inzwischen über 80 000 Patienten behandelt. Bereits im Oktober 2002

wurden die Wirksamkeit und Sicherheit von Subutex inForm einer Zulassung durch die amerikanische Zulassungsbehörde FDA attestiert.

Subutex ist als Tablette in Dosierungen von 0,4 mg, 2 mg und 8 mg erhältlich.

Die Einführung von Subutex als Substitutionsmittel eröffnete

den Weg zu einer differenzierten, dem jeweiligen Patientenzustand

angepassteren Behandlung. In der deutschen Suchtmedizin

konnte Subutex rasch eine wachsende Akzeptanz erlangen.

Die Gründe für die hohe Akzeptanz sind mannigfaltig

und nachfolgend aufgeführt.

Wirkung

Für Subutex wurde eine vergleichbare Wirksamkeit wie Methadon

durch zahlreiche klinische Studien belegt. Das pharmakologische Profil von Buprenorphin unterscheidet sich von den anderen Substitutionsmitteln:

Durch Überdosierung von Subutexallein sind letal endende

Atemdepressionen nahezu ausgeschlossen. Selbst bei Nicht-Opioidabhängigen wurden nach Gabe von bis zu 32 mg Subutex(70fache analgetische Dosis) keine interventionspflichtigen Atemdepressionen beobachtet.

Während einer 5-jährigen Beobachtungsphase in Frankreich

war die Mortalitätsrate unter Subutex10fach geringer

als unter Methadon. Es kommt nach der Einnahme von Subutex zu keiner Wirkung nachträglich/zusätzlich eingenommener Opioide sodass es wenig Anreiz gibt, zusätzlich Heroin oder sonstige Opioide zu konsumieren.

Bei der Hälfte der untersuchten Patienten mit Depressionen, konnte eine deutliche Verbesserung ohne die zusätzliche Gabe von Antidepressiva beobachtet werden. Die Monotherapie mit Subutex / Buprenorphin hinsichtlich der antidepressiven Wirkung war ebenso wirksam wie Methadon in Kombination mit dem Antidepressivum Trizyklika.

Zuletzt berichteten Paetzold et al.(2000), dass Buprenorphin einen Teil der erfassten depressiven Symptome wie Angst, Erregung und Schlaflosigkeit positiv beeinflusst. Die antidepressiven Eigenschaften von Subutex

spiegeln sich in Patientenaussagen wieder.

Es zeigte sich unter Subutex / Buprenorphin im Vergleich zu Methadon u.a. eine bessere Konzentrationsfähigkeit, ein gleichmäßigeres Leistungsniveau und geringere Ermüdungserscheinungen.

Nebenwirkung

Wie bei jedem Pharmakon sollten auf die eventuellen Wechselwirkungen

geachtet werden. Beim Einsatz von Opiaten ist, obgleich keine Rauschwirkung entsteht, vor allem auf die Verstärkung der atemdepressiven Wirkung durch Benzodiazepine und Alkohol hinzuweisen.

Zudem können Nebenwirkungen auftreten wie Schlaflosigkeit; Kopfschmerzen; Ohnmacht, Schwindel, Blutdruckabfall; verminderte Schmerzwahrnehmung; Herabsetzung der Atmung; verlangsamte Magen-Darm-Passage, Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen

Bei einer Take-home- Vergabe fallen bei subutex / Buprenorphin weder zusätzliche Kosten für eine Rezepturzubereitung noch für eine kindergesicherte Einzelverpackung durch die Apotheke an.

Von Bedeutung sind ferner die klinischen Daten zu subutex / Buprenorphin bei opioidabhängigen Schwangeren. Die Neugeborenen der opiatabhängigen Frauen unter Subutex zeigten seltener eine Entzugssymptomatik (neonatales Abstinenzsyndrom), sind von kürzerer Dauer sowie milder ausgeprägt als bei Einnahme von Methadon.

Kokain

Substanz

Kokain ist das Hauptalkaloid verschiedener Cocastraucharten und wird zur Gruppe der Stimulanzien gezählt. Kokain liegt meist als weißes, kristallines, pulverförmiges Kokainhydrochlorid vor; es ist geruchlos, hat einen bitteren Geschmack und wirkt betäubend auf die Schleimhäute.

Kokain wird meist gesnieft, seltener gespritzt oder chemisch aufbereitet als Crack geraucht. Der Wirkstoffgehalt des als Kokain verkauften Pulvers liegt durchschnittlich bei 30 – 50 %, kann aber nach oben und unten stark variieren. Auf dem Schwarzmarkt erhältliches Kokain enthält meist diverse Streckstoffe; typische nicht-psychoaktive Beimengungen sind: Milchzucker, Mannit (Zuckeralkohol), Traubenzucker, Lidocain (Lokalanästhetikum; um den schleimhautbetäubenden Effekt von Kokain nachzuahmen) und Paracetamol. Psychoaktiv wirksame Streckmittel sind u. a. Coffein und Amphetamin.

Wirkung

Die Wirkung ist u.a. abhängig von Dosis, Reinheitsgrad, Gewöhnungseffekten, Konsumform sowie von Set (innerer Zustand) und Setting (Umfeld) des Users.

Beim Sniefen: Wirkungseintritt nach 2 – 3 min, Wirkdauer 30 min bis zu 2h. Beim Spritzen oder Rauchen tritt die Wirkung innerhalb von Sekunden ein, die Wirkdauer liegt bei etwa 5 – 20 min. Bei Dauerusern ist die Wirkung spürbar kürzer.

Kokain erhöht hauptsächlich die Konzentration des Botenstoffs Dopamin in den synaptischen Spalten zwischen den Nervenzellen im Gehirn, indem es dessen Wiederaufnahme in die Nervenzellen hemmt. Dopamin beeinflusst bzw. verstärkt u. a. die Motorik, die Wahrnehmung und die Emotionen. Dopamin ist ein positiver Verhaltensverstärker, d. h., eine höhere Dopamin Konzentration im Gehirn bewirkt eine Verknüpfung bestimmter Tätigkeiten und Ereignisse mit Belohnungsgefühlen. Das hat zur Folge, dass man diese wiederholen möchte.

Wirkungen
Euphorie, stark gesteigertes Selbstvertrauen, Ausgelassenheit, Wegfall von Hemmungen und Ängsten, Gefühl der Stärke, erhöhte Risikobereitschaft, starker Bewegungsdrang, motorische Hyperaktivität, Redseligkeit, Abnahme der (Selbst-)Kritikfähigkeit.
Erhöhter Blutdruck, erhöhte Pulsfrequenz, Gefäßverengung, Erweiterung der Bronchien, Anstieg der Körpertemperatur, Pupillenerweiterung. Unterdrückung von Hunger, Durst und Müdigkeit. Meist gesteigerte Lust auf und Fähigkeit zum Sex, aber auch verminderte Libido und Erektionsstörungen möglich.

Kurzzeitnebenwirkungen

Erhöhtes Herzinfarktrisiko sowie erhöhte Wahrscheinlichkeit eines Angina-Pectoris-Anfalls (starke Brustenge), da unter Kokainwirkung Herzschlagfolge und Blutdruck stark ansteigen und der Sauerstoffbedarf des Herzens erhöht ist. Zugleich kann Kokain Verkrampfungen der Herzkranzgefäße auslösen und die Blutgerinnung aktivieren. Der durch die Droge erhöhte Sauerstoffbedarf kann deshalb nicht mehr gedeckt werden. So kann es zum Herzinfarkt kommen.

Mögliche psychische Nebenwirkungen:

Unsicherheit, Angst, Störungen im Denkablauf, innere Unruhe, gesteigerte Aggressivität, Reizbarkeit. Nach dem Konsum bzw. Abklingen der Wirkung depressive Verstimmung und Niedergeschlagenheit möglich. Physische und psychische Erschöpfung. User berichten von einem hohen Drang nachzulegen, um den unangenehmen Gefühlen beim Runterkommen zu begegnen.

Langzeitnebenwirkungen

Bei häufigem Kokainkonsum über einen längeren Zeitraum können sich die Nebenwirkungen verstärken. Beim Sniefen werden Nasenschleimhäute und Nasenscheidewand stark angegriffen. Möglich sind: häufiges Nasenbluten und eine starke Beeinträchtigung bis zum Verlust des Geruchssinnes.

Schwächung des Körperabwehrsystems durch mangelnde Zufuhr von Mineralien/Vitaminen: erhöhte Infektionsanfälligkeit. Es kann zum Gewichtsverlust aufgrund von Unterernährung als Folge des verminderten Hungergefühls kommen. Sexuelle Dysfunktion möglich.

Außerdem: Herz-Kreislauf-Schäden durch permanente Gefäßverengung (Blutdruckanstieg), Zittern, Krampfanfälle, Leberschäden, Herzrhythmusstörungen und im Extremfall Herzinfarkt oder Hirnschlag.
Veränderung des Denk-Bewegungs-Ablaufs (nervöse Zuckungen, gesteigerte Aktivität).
Es kann zu Depressionen, Gereiztheit, starken Stimmungsschwankungen, Wahnvorstellungen, Schizophrenie und starken Persönlichkeitsstörungen kommen. Wissenschaftlich diskutiert werden bleibende Störungen des Kurzzeitgedächtnisses bzw. intellektueller Fähigkeiten.
Entwicklung einer psychischen Abhängigkeit möglich.

 

Suchtmittel und Schwangerschaft

Zuerst sollte erwähnt werden, dass bei Drogengebrauch die Monatsregel der Frau ausbleiben kann und dass einige Drogen, wie zum Beispiel auch Cannabis, die Fruchtbarkeit des Mannes herabsetzen können. Das bedeutet aber nicht, dass frau deshalb nicht schwanger werden kann. Wie gefährlich ist nun der Drogenkonsum während der Schwangerschaft?

Grundsätzlich muss gesehen werden, dass es bei vielen Substanzen keine wissenschaftlich fundierten Aussagen gibt. Bei allen bisherigen Untersuchungen sind die Stichproben zu gering.
Die vorhandenen Studien zu Cannabis und Amphetaminen kommen sogar zu komplett gegensätzlichen Ergebnissen:

Einige Studien führen die verkürzte Dauer der Schwangerschaft auf den Cannabiskonsum zurück (Cregler & Mark, 1986; Wang & Schnoll, 1987; Chasnoff & MacGregor. 1987, während andere Untersuchungen diese Wirkung eher dem gleichzeitigen Tabakkonsum zuschreiben (Wang & Schnoll, 1987). In weiteren Studien wurde gar keine Wirkung auf die Dauer der Schwangerschaft nachgewiesen (Zuckermann et al., 1989; Chasnoff et al., 1989; Keith et al., 1989). In einer Arbeit von Chasnoff et al. (1985) stellte man sogar eine Verlängerung der Schwangerschaftsdauer fest.

Amphetamine und Schwangerschaft

Beim Konsum von Amphetaminen (Ecstasy, Speed) wurde ein erhöhtes Risiko für Fehl- und Frühgeburten festgestellt. In einer britischen Studie wiesen 12 von 78 Neugeborenen körperliche Anomalien auf. Dies ist für eine grundsätzliche Aussage allerdings eine zu geringe Stichprobe.

Kokain und Schwangerschaft

Die schädigende Wirkung von Kokain während der Schwangerschaft wurde in Berichten der 70er Jahre beschrieben, dabei handelt es sich jedoch wiederum nur um Einzelfälle. Die gefäßverengende Wirkung von Kokain hat Durchblutungsstörungen der Gebärmutter zur Folge, dadurch wird das werdende Kind schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, es kann zu einer vorzeitigen Placenta Ablösung (Fehlgeburt) und vorzeitigen Wehen kommen (Frühgeburt).

Grundsätzlich muss vor dem Konsum der vorangegangenen Substanzen während der Schwangerschaft gewarnt werden. Es sollte aber klar sein, dass der Gebrauch dieser Substanzen nicht gleich zu schwerwiegenden Problemen führt. Produkte wie Rohmilchkäse, Salami, Sushi, Tee mit Teein und Kaffee / Cola sowie vor allem Zigarettenrauch stellen ebenfalls ein Risiko dar.

Alkohol und Schwangerschaft

Vom Alkoholkonsum während der Schwangerschaft weiß man aus Untersuchungen genau, dass geistige und körperliche Entwicklungsstörungen und auch Missbildungen auftreten können.
Alkohol ist die gefährlichste Droge während der Schwangerschaft.

Opiate und Schwangerschaft

Bei diesen Suchtmitteln sind die Angaben etwas genauer. Man hat festgestellt, dass sich besonders Heroin auf die Kinder negativ auswirkt. Gleich nach der Geburt kommt es bei den Neugeborenen zu bedenklichen Entzugssymptomen, unter anderem können schwer beherrschbare Krampfanfälle auftreten. Wenn heroinabhängige Frauen schwanger werden, ist absolut davon abzuraten, Drogen intravenös von der Straße zu konsumieren. Ein kompletter Entzug von Heroin wird nur in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft für das Kind als ungefährlich angesehen. Sowohl für die Frau als auch für das Kind ist es das Beste, sich substituieren zu lassen (z. B. mit Subutex). Natürlich kommt es auch hier bei den Neugeborenen zu Entzugssymptomen, von denen sie sich aber, so schlimm dies auch klingen mag, erholen können, da sie meist nach der Geburt ausschleichend mit dem Ersatzstoff entzogen werden.

Substitution und Schwangerschaft

Zum einen wird von substituierten Frauen oft davon ausgegangen, dass sie nicht schwanger werden können. Das ist aber eine Fehlannahme. Vor allem aus diesem Grund werden Schwangerschaften bei Substituierten meist erst im fortgeschrittenen Stadium festgestellt. Dadurch bleibt der werdenden Mutter nur noch wenig Zeit, sich auf Geburt und Mutterschaft einzustellen.

Zum anderen ist es, wie oben bereits erwähnt, das Beste für Mutter und Kind, wenn sich eine heroinabhängige Frau während der Schwangerschaft substituieren lässt. Wie aber verhält es sich nun mit der Substitution in der Schwangerschaft? Bei Methadon kann das Neugeborene ein Entzugssymptom erleiden, das sich über mehrere Wochen erstrecken kann. Die längerfristigen Auswirkungen können bis zu sechs Monate andauern, das heißt, die Mutter muss sich während dieser Zeit um ein krankes Kind kümmern.

Vom Substitutionsmittel Subutex allerdings wird berichtet, dass es eine geringere körperliche Abhängigkeit hervorruft, wodurch diese Substanz offensichtlich besser geeignet erscheint für eine Substitution während der Schwangerschaft.